In Gedanken bei Hemingway

„Die erste Fassung ist immer Scheiße.“ – Orginalzitat von Ernie.

Sagt alles, braucht man nichts hinzufügen.

Oder doch?

Denn die zweite Fassung, die ist nicht arg viel besser.

Das Bild des Autors, der vor seiner Schreibmaschine sitzt, tippt und tippt und tippt und dann in großen Buchstaben ENDE unter seinen Text schreibt, das Ding eintütet, es einschickt und sofort einen Bestseller landet, ist sowas von für den Arsch.

Die Wirklichkeit sieht anders aus: man schreibt gegen den Zweifel, gegen die Stimmen im Kopf, die kritisieren und meckern, gegen die Ablenkungen, die allgegenwärtig sind. Die Muse schläft aus, kommt am Nachmittag kurz herein, schaut kurz über das, was man bereits geschrieben hat, sagt: „Kacke“ und geht wieder. Man selbst bleibt zurück, liest was man getippt hat und muss der Muse recht geben.

So ab der dritten Fassung wird das Ding vorzeigbar. Man fängt an daran zu glauben.

Das Manuskript aus der Hand zu geben fühlt sich an, als würde man seinen Sohn in die Schule schicken. Man hat den Bengel aufgezogen und auf die Welt vorbereitet, jetzt hofft man, dass er klar kommt und die anderen Kinder nett zu ihm sind. Man ist nervös.

Man wartet auf Rückmeldung von den Testlesern. Schlimmer als damals auf der Uni das Warten auf die Klausurergebnisse.

Die Rückmeldung kommt. Überwiegend positiv, dazu einige Punkte, die es zu verbessern gilt. Man selbst wäre darauf nicht gekommen, zu oft hat man den Text gelesen, zu intensiv hat man sich mit den Figuren auseinandergesetzt, zu verbissen an manchen Szenen festgehalten. So viele Ideen. Das Hirn arbeitet in andere Richtungen. Richtungen, in die man vorher nicht gedacht hat. Warum eigentlich nicht? Dabei liegen sie offensichtlich vor einem.

Für jedes Problem findet sich ein Lösungsansatz, man macht Notizen, denkt neue Handlungsstränge durch, geht in die Überarbeitung und weiß, die nächste Fassung wird um so vieles besser sein.

 

 

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