Schreibtipps – oder von den eigenen Dämonen lernen

Nennt mich größenwahnsinnig, nennt mich realitätsfern. Noch nichts Nennenswertes veröffentlicht, aber Schreibtipps geben wollen. Nee, is‘ klar.

Dennoch gibt es etwas, dass gerade mich dazu befähigt diese Tipps zu geben: Der Lernprozess, den ich durchlaufen habe bei diesem Projekt.

Trümmerteilchen ist geschrieben und befindet sich in den letzten Phasen der Überarbeitung, bevor es auf eine, hoffentlich ertragreiche, Pilgerfahrt durch die Agenturen und Verlagshäuser der Buchwelt geht.

Vor einem dreiviertel Jahr stand das Manuskript noch bei 124 Seiten, eine Novelle mit dem Titel: Eine kleine Geschichte vom großen Scheitern. Ich hätte ihr nie zugetraut über 200 Seiten zu wachsen (in der aktuellen Fassung liegt Trümmerteilchen bei 360 Seiten).

Vor einem dreiviertel Jahr klafften Lücken zwischen flachen Charakteren, in eine Handlung gepresst, in der sie nicht zuhause waren.

Vor einem dreiviertel Jahr war Trümmerteilchen bereits vier Jahre alt. Lebte ein Dasein in der Schublade. Dort hinein verbannt, weil es mir Angst machte. Ich wusste, dass es noch nicht fertig war (wie viel fehlte, um es fertig zu nennen war mir allerdings noch nicht klar). Mir war klar, dass, wenn es öffentlich wird, hässliche Dinge folgen können (seine Sprache ist nicht stubenrein, sein Inhalt provoziert, seine Botschaft demoralisiert). Ich hatte Angst daran zu arbeiten, denn daran zu arbeiten hieß, sich auf eine emotionale Achterbahnfahrt (weniger freundlich ausgedrückt: eine emotionale Talfahrt) einzulassen. Mit ungewissem Ausgang.

Wie das Verräterische Herz bei Poe lag es in der Schublade und schlug, pochte von innen dagegen, wollte raus. Es würde mir nie Frieden geben ließe ich es dort liegen.

Immer wieder zog ich es heraus, arbeitete ein wenig daran weiter und brach ab, erschrocken über das Monster, das ich schuf. Erschrocken darüber, was es von mir forderte.

Es dauerte bis vor einem dreiviertel Jahr, endlich war ich bereit es ihm zu geben. Was? Alles. Meine Zeit, meine Gedanken, meine Träume, Hoffnungen und Ziele. Kurz: Mein Leben.

Die Trümmerteilchen, das sind meine inneren Dämonen (ein Teil von ihnen). Ich kann mich mit ihnen auseinandersetzen, oder sie wegsperren. Wegsperren habe ich versucht, vergebens. Also befreite ich sie aus der Schublade, hörte ihnen zu, lernte von ihnen, erkannte mich in ihnen, nahm sie an, nahm mich an. Wuchs und wurde: Ich. Florian Wolf – Schriftsteller, Träumer, Hoffender.

Wenn ich also von Schreibtipps spreche, meine ich: den existenziellen Prozess des Schreibens.

Dann meine ich: die Selbsterfahrung, die einem kein Schreibkurs geben kann.

Dann meine ich: den inneren Dämonen begegnen, sie zulassen, sie verarbeiten.

Dann meine ich: ich möchte weitergeben, was einen Anfänger erwartet, wenn er sich auf das Schreiben einlässt.

Und ich meine, dass ich dazu sehr wohl in der Lage bin.

Damit sei die Serie eröffnet.

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