Musenzirkus

Da sitze ich nun, die Musenparade zieht an mir vorbei, sie präsentieren sich, werfen sich in Pose. Ich warte, bis ich drei vielversprechende gefunden habe, sie möchte ich genauer interviewen. Der Rest fliegt raus. Wenn die drei sich alle als Nieten herausstellen, geht der Spaß von vorne los. Aber bei den aktuellen Dreien habe ich ein gutes Gefühl.

Nummer eins ist ein alter Bekannter: Buck (so habe ich ihn genannt. Musen muss man einen Namen geben, damit sie bleiben). Er war meine Muse bei Trümmerteilchen, seine Idee simpel: Trümmerteilchen Teil 2. In seinem Konzept dreht es sich darum, wie es mit Felix und Damian (vielleicht sogar Eva) weitergehen soll. Klingt sehr interessant. Leider ist Trümmerteilchen Teil 1 noch nicht gänzlich fertig und noch nicht verkauft, daher sträube ich mich direkt mit Teil 2 anzufangen. Daher verspreche ich Buck auf ihn zurückzukommen, sobald es soweit ist und schicke ihn in den Urlaub.

Nummer zwei stellt sich als Kiki vor. Ihre Idee: eine erotische Komödie. Hm, nie gedacht, dass ich in diese Richtung mal was machen würde. Das Konzept ließe sich auch weg von einer Komödie, hinein in die Abgründe menschlicher Sexualität treiben. Aber nein, das klingt zu sehr nach diesem Shades of Grey-Blödsinn. Außerdem mag ich diese Ideenklone überhaupt nicht. Wer braucht schon die x-te Vampiergeschichte oder noch eine Sado-Maso-Story?

Das Komödienthema reizt mich mehr und mir fallen gleich ein paar interessante Figuren dazu ein. Dennoch bleibe ich skeptisch, vor allem, weil ich nicht so recht weiß, wie ich das Thema angehen soll.

Nummer drei liegt derzeit im Rennen um meine Gunst vorne. Lee kommt mit einer komplett unkonventionellen Idee zu mir: „Lass uns einen Blog machen.“

Mach ich doch“, antworte ich ihm.

Nein, nicht so ein Infogedöns, in dem du dich selbst feierst. Ich rede von einem Blog-Roman. Du als fiktiver Ich-Erzähler, der den Blog schreibt, um sein Leben und sein Denken zu dokumentieren.“

Na toll, und was soll daraus werden: Hirndünnschiss? Eine Laberseite mit Ansichten über die Welt? Brauchen wir das wirklich?“

Moment, lass mich ausreden. Also hör zu …“

Er erzählt, ich lausche und werde immer nervöser. Das klingt gut. Was Lee mir vorschlägt ist ein Psycho-Thriller mit Horror-Elementen, der in Blogform direkt miterlebt wird. Ein Mann, der an die Tür des Wahnsinns klopft, in einer Welt, die von der Realität weg driftet, alles live dokumentiert.

Ein interessantes Projekt, zumal eins, das mir die Zeit verkürzt, bis ich weiß, was aus Trümmerteilchen wird.

Jetzt, nachdem das geschrieben ist, rudere ich gleich wieder zurück. Meine verdammte Ungeduld lässt mich plappern und Zukunftspläne schmieden, weckt Erwartungen und weiß nicht mal, ob sie diese erfüllen kann.

Sämtliche Projekte befinden sich gerade erst in der Konzeptphase. Was soviel heißt wie: ich überlege wohin die Geschichte gehen kann, wie sie enden könnte, wo sie ihren Anfang nehmen sollte und was im Mittelteil passiert. Erste Szenenideen fallen mir ein und werden unsortiert herunter geschrieben; so viele, wie mir einfallen.

Figuren, die in diesen Überlegungen auftauchen müssen analysiert werden. Wer ist wichtig, wer nicht, was muss ich von wem wissen? Charakterbögen müssen erstellt, Biografien entworfen werden. Häufig erfahre ich dadurch nicht nur etwas über die Vergangenheit der Figuren, sondern auch über ihre Gegenwart und wie sie mit Problemen umgehen, daraus leiten sich weitere Szenen ab. Die Geschichte wächst.

Irgendwann müssen die Szenen in eine sinnvolle Ordnung gebracht werden (die sich während des Schreibens bestimmt noch einige Male ändern wird), die Lücken zwischen ihnen werden gefüllt, Überleitungen von einer Szene zur nächsten erdacht, Logikfehler bekämpft.

Und irgendwann sitzt man tatsächlich am Schreibtisch und schreibt die ersten Sätze. Es fühlt sich an als wolle man vom Nordkap aus nach Santiago pilgern, fünf Schritte getan über 5.000 Kilometer noch vor einem. Wie soll man das jemals schaffen? Unmöglich. Trotzdem läuft man weiter, die Füße schmerzen, man ist nicht mal einen Tag unterwegs und will bereits aufgeben. Alles was man tut fühlt sich ungelenk und falsch an und dabei muss man doch nur einen Fuß vor den andern setzen.

Dabei muss man doch nur ein Wort an das andere hängen.

 

P.S.: Eine Muse halte ich mir in der Hinterhand, sie ist sozusagen meine Haus-und-Hof-Muse und eng mit Buck (meiner Trümmerteilchen-Muse) verwandt. Der kleine Ernie will immer, dass ich ein paar Storys aus meinem Leben ausgrabe, sie etwas aufpeppe und daraus eine Kurzgeschichtensammlung, einen Roman, eine Novelle, ein was-weiß-ich-was mache. Auch wenn ich ihm diesen Wunsch nicht erfüllt habe, bleibt er trotzdem brav bei mir und hilft häufig dort aus, wo die anderen Musen versagen.Wer weiß, vielleicht werde ich ihm irgendwann seinen Wunsch erfüllen – als Dank für seine Treue.

 

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